Prof. Dr. Martin Mittwede (D)

Prof. Dr. Martin Mittwede (D)

Indologe und Religionswissenschaftler
Prof. Dr. Martin Mittwede ist Studienleiter des Studiengangs Master of Science in Ayurveda-Medizin an der Europäischen Akademie für Ayurveda. Der Indologe und Religionswissenschaftler habilitierte bereits 1996 mit einem Forschungsprojekt über Ayurveda und besitzt langjährige Erfahrungen in der ärztlichen Fortbildung. Er lehrt außerdem an der Universität Frankfurt/Main und hat zahlreiche Arbeiten über die Ayurveda-Medizin veröffentlicht.

Interpretation klassischer Ayurveda-Quellen vor dem Hintergrund moderner Medizin

Infotreffen zum Studium der Ayurveda-Medizin an der Europäischen Akademie für Ayurveda

» Ayurveda und Salutogenese – Ressourcen für die Gesundheit nutzen

Ayurveda und Salutogenese – Ressourcen für die Gesundheit nutzen
Prof. Dr. Martin Mittwede
Der Ayurveda kann nicht nur als ein traditionelles Medizinsystem sondern auch als ein Gesundheitssystem verstanden werden, welches dem Menschen helfen will, gar nicht erst krank zu werden. Der Sanskritbegriff für Gesundheit lautet „svasthya“, wörtlich übersetzt bedeutet dies „Ruhen im Selbst“. Gesundheit ist in diesem Sinne ein funktionierender Selbstbezug, eine Situation, in der der Mensch sich mit sich selbst im Einklang weiß. Dazu gehören eine Kenntnis der eigenen Konstitution mit ihren Stärken und Schwächen und die Bejahung dieses individuellen Soseins.

Gesundheitliche Ressourcen im Alltag zu nutzen stellt aus ayurvedischer Sicht ein wichtiges Kriterium für die Erhaltung der Gesundheit dar. Im Zentrum einer ayurvedischen Gesundheitsbildung steht die bewusste Wahrnehmung, die Sensibilität für die vielfältigen Einflüsse, die das Gleichgewicht der Lebenskräfte fördern oder stören. Hierfür lassen sich keine allgemeine Regeln aufstellen, da immer neue Kombinationen von Einflüssen vorliegen. Basis einer bewussten Wahrnehmung ist die Entwicklung von Selbsterkenntnis und Offenheit für äußere und innere Prozesse. Hierfür wurden viele Ansätze entwickelt, die im täglichen Leben eingesetzt werden können. Diese werden im Vortrag thematisiert.

Allen Aktivitäten des Lebens sollte das richtige Maß innewohnen, welches von den ayurvedischen Ärzten wiederum nicht allgemein, sondern immer im Hinblick auf die einzelne Person und ihre aktuelle Situation definiert wird. So ist beim Essen die richtige Menge die, die man, ohne sich schwer und belastet zu fühlen, verzehren kann. Diese kann sich bei einer einzelnen Person innerhalb von wenigen Stunden verändern, z.B. kann bedingt durch Stress und Anspannung oder durch emotionale Belastungen die Verdauungsfähigkeit drastisch reduziert sein.

Die Salutogenese nach Aaron Antonovsky analysiert, wie Gesundheit erhalten werden kann. Im Zentrum dieses Modells steht das Kohärenzgefühl, welches die Widerstandsressourcen eines Menschen erfasst. Salutogenese ist ein wissenschaftlicher Ansatz in der Medizin, die den Fokus darauf legt, welche Ressourcen bei einem Menschen helfen können, Gesundheit zu bewahren oder sogar wiederherzustellen – im Gegensatz zur dominierenden physisch-pathologischen Betrachtungsweise. Dafür muss der Mensch als Ganzes betrachtet werden – und darf nicht auf rein körperliche Prozesse reduziert werden. Gesundheit ist im Kontext der Salutogenese und auch des Ayurveda ein Prozess, der durch dynamische Wechselwirkungen beeinflusst wird.

Das Selbst als Ressource der Gesundheit – spirituelle Dimensionen des Ayurveda

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