Dr. med. Ananda Chopra (D)

Dr. med. Ananda Chopra (D)

Leiter der Ayurveda-Abteilung in der Habichtswaldklinik Kassel
Dr. med. Ananda Samir Chopra studierte Medizin und Indologie an der Universität Heidelberg. Nach der Approbation als Arzt einjähriger Studienaufenthalt in Kolkata, Indien, zum Studium des Ayurveda. Seit 1996 leitender Arzt der Ayurveda-Klinik Kassel. 2009 bis 2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt zur modernen Geschichte des Ayurveda der Universität Heidelberg. Neben der klinischen Tätigkeit weiterhin wissenschaftlich tätig in der Medizingeschichte. Seit seiner Kindheit lernt und übt er klassische Indische Musik (Hindustani Sangit).

» Manovaha-srotas und psychische Erkrankungen in der ayurvedischen Nosologie

Jahr: 2021

Das Konzept der Srotas als „Strömungsadern“ im menschlichen Körper stellt einen interessanten Aspekt der klassischen āyurvedischen Theorie dar. In der klassischen Beschreibung (Caraka-Saṃhitā, Kapitel Vi. 5, überschrieben mit Srotovimāna) werden die Srotas als röhrenförmige Strukturen beschrieben, in denen verschiedene körperliche Substanzen fließen. Die klassische Darstellung zählt 11 Srotas-Systeme mit zwei zusätzlichen Srotas-Systemen bei Frauen, nämlich dem weiblichen Genitaltrakt und der weiblichen Brust. Schon ein kursorischer Blick auf die Merkmale der jeweiligen Srotāṃsi (= Plural des Wortes Srotas), insbesondere die Darstellung ihrer Krankheiten, verdeutlicht, dass Srotas eben nicht nur Strukturen sind, sondern dass hier vielmehr eine sehr weite Perspektive auf Struktur und Funktion des menschlichen Organismus zum Ausdruck kommt. Insofern werden Srotas heutzutage häufig auch als „Organsysteme“ verstanden.

Die Manovaha-srotas (wörtlich „geist-tragenden Strömungsadern“) werden nicht unter den elf/ dreizehn klassischen Srotas-Systemen genannt, sondern in den Kapiteln zur Ätiologie und Therapie des Unmāda („Verrücktheit“, heutzutage oft mit „Psychose“ gleichgesetzt) der Caraka-Saṃhitā. Hier spielen sie eine wichtige Rolle im pathophysiologischen Prozess, der zur Manifestation psychischer Erkrankungen führt. Obwohl die Manovaha-srotas als röhrenförmige Strukturen dargestellt werden, stellen wir auch hier fest, dass ein sinnvolles Verständnis nur möglich ist, wenn wir unseren Blickwinkel erweitern. In diesem Vortrag soll verdeutlicht werden, dass das Konzept der Manovaha-srotas zeigt, dass der Āyurveda schon seit ältester Zeit eine sehr weite Perspektive auf psychische Erkrankungen hat: so sind körperliche Erscheinungen genauso bedeutsam wie psychische Symptome, „biologische“ Krankheitsprozesse (hier repräsentiert durch die Schädigung der Manovaha-srotas) werden ebenso betrachtet wie soziale Aspekte und Verhalten. Dieser umfassende Blick auf psychische Erkrankungen dient als Voraussetzung für eine umfassende, im wahrsten Sinne ganzheitliche, Behandlung.

» Die ayurvedische Behandlung von Fatigue als Folge von Covid-19

Jahr: 2021

Unter den vielfältigen Symptomen, die in Folge einer COVID-19-Erkrankung auftreten können, ist die Fatigue sehr häufig vertreten. Eine solche tiefgreifende Erschöpfung auf physischer, emotionaler und kognitiver Ebene tritt auch im Zusammenhang mit anderen Krankheiten auf und beeinträchtigt die Betroffenen sehr.

Aus āyurvedischer Perspektive ist Fatigue als Folge und Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung ein typischer Ausdruck des sechsten Stadiums (Kriyākāla) in der Krankheitsentwicklung. Versucht man die Symptomatik āyurvedisch einzuordnen, so findet man Symptome einer Vāta-Störung (hier sei insbesondere die in der Suśruta-Saṃhitā – Sū. 15.36 – beschriebene „geringe Vitalität in den Aktivitäten“ genannt) ebenso wie Zeichen einer Agni-Schwäche und eines Āma-Zustandes. In diesem Sinne kann also die Fatigue mit agni-stärkenden und vāta-ausgleichenden Behandlungsweisen behandelt werden. Wie sonst im Āyurveda, gilt auch hier, dass das individuelle therapeutische Vorgehen auf der Basis einer eingehenden Diagnostik geplant und durchgeführt werden muss.

Das Potenzial von Panchakarma-Methoden bei Kindern mit Autoimmunerkrankungen

Jahr: 2021
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» Geplante Empfängnis – Ansätze des Ayurveda und der modernen Medizin

Jahr: 2020

Unerfüllter Kinderwunsch ebenso wie ungewollte Schwangerschaften machen deutlich, dass die Zeugung menschlichen Lebens auch heute noch ein Mysterium darstellt. Die moderne Medizin hat auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnisse verschiedene Methoden für eine geplante Empfängnis entwickelt, die vor allem physiologische Aspekte berücksichtigen. Dagegen hat der Ayurveda einen weiteren Horizont: neben den jeweiligen Anteilen von Mutter und Vater werden auch psychologische, soziale und spirituelle Aspekte bei der Zeugung menschlichen Lebens beschrieben. In der Praxis können sich moderne Medizin und Ayurveda im Hinblick auf eine geplante Empfängnis also durchaus sinnvoll ergänzen. In diesem Vortrag werden die entsprechenden Konzepte ebenso wie ihre praktische Anwendung in Deutschland erläutert.

» Caraka-Rasayana-Vidhi – ein praktisches Rasayana-Konzept auf der Grundlage der Caraka-Samhita

Jahr: 2020

Schon seit ältester Zeit gibt es im Ayurveda eine eigene Fachdisziplin, die zum Zweck hat, dem Menschen ein langes Leben bei Kraft und Jugendlichkeit zu ermöglichen. Rasayana, wörtlich das Wissen von den „verjüngenden Elixieren“, umfasst dabei sowohl die Gabe arzneilicher Präparationen, als auch spezielle Kuren und vor allem eine gesundheitsfördernde Lebensweise. Weit über moderne Begriffe wie „Anti-Aging“ oder „Well-Aging“ hinaus finden wir im Ayurveda also ein umfassendes Konzept für ein langes und gesundes Leben. Gerade die Caraka-Saṃhita („Sammlung des Caraka“), einer der ältesten und bis heute maßgeblichen Lehrbücher des Ayurveda erläutert dieses Konzept ausführlich. In diesem Vortrag soll gezeigt werden, dass man auf der Basis der klugen Lehren des Caraka auch heute ein praktisches Rasayana-Konzept entwickeln kann.

» Warum die Charaka Samhita (k)ein Leitfaden für die Praxis ist

Jahr: 2018

Warum die Caraka-Samhita (k)ein Leitfaden für die Praxis ist
Dr. med. Ananda Chopra
„Das Lehrbuch ist ein Licht, welches Helligkeit erzeugt, Auge ist der eigene Verstand“ – Warum die Caraka-Saṃhitā (k)ein Leitfaden für die Praxis ist.

Die Caraka-Saṃhitā ist ohne Zweifel einer der bedeutendsten Texte des Āyurveda. Im aktuellen Curriculum für das Studium des Āyurveda in Indien ist die Caraka-Saṃhitā der einzige traditionelle Text, den die Studenten in Gänze studieren sollen. Ein kursorischer Blick in dieses Werk macht aber deutlich, dass die Caraka-Saṃhitā ein vielstimmiges und vielschichtiges Werk ist. Die 120 Kapitel, die auf acht Bücher verteilt sind, bilden alles andere als ein systematisches Lehrbuch oder gar ein Praxishandbuch. Vielmehr ist dieses Werk voller Redundanzen und gelegentlich auch Widersprüche; neben konkreten Rezepturen für Arzneien finden sich hier auch philosophische Diskussionen etwa zu Ausbildung und Praxis des Arztes. Kein Wunder also, dass die Caraka-Saṃhitā über Jahrhunderte keineswegs als Lehrbuch für Anfänger diente. Wer die Grundlagen des Āyurveda lernen wollte oder ein Werk für Diagnose und Therapie in der Praxis suchte, nutzte andere Bücher. Erst spezifische kulturelle Prozesse, das Entstehen einer „Renaissance-Ideologie“, im Indien des 19. und 20. Jahrhundert führen dazu, dass die Caraka-Saṃhitā ihre heutige Stellung im Āyurveda erhält. Denkt man dann aber darüber nach, was Medizin eigentlich ausmacht, dass Medizin vor allem eine praktische Wissenschaft ist und weder Natur- noch Geisteswissenschaft, dann bietet die Caraka-Saṃhitā einen wahren Schatz an Anregung und Unterweisung gerade für denjenigen, der heutzutage Āyurveda praktiziert. Ausgehend von Form und Inhalt der gegenwärtigen Caraka-Saṃhitā sollen alle diese Aspekte kurz diskutiert werden.

Ayurvedische Komplementärtherapie bei Hashimoto-Thyreoiditis

Jahr: 2019

Die Hashimoto-Thyreoiditis wird in Mitteleuropa inzwischen zunehmend häufiger diagnostiziert. Nach manchen Schätzungen sind rund 5% der Bevölkerung von dieser Erkrankung betroffen. Allerdings ist das klinische Bild der Hashimoto-Thyreoiditis sehr vielfältig, von vollkommener Symptomfreiheit bis zu Symptomen einer Schilddrüsen-Über- oder Unterfunktion. Für eine āyurvedische Einschätzung der Hashimoto-Thyreoiditis erweist sich vor allem eine gründliche Betrachtung des Agni als nützlich. In den meisten Fällen liegt bei dieser Erkrankung eine Agni-Schwäche unterschiedlichen Grades vor. Zudem müssen bei der Diagnose natürlich stets auch Grundkonstitution, Lebensalter und andere āyurvedische Kriterien berücksichtigt werden. Auf dieser Grundlage können dann sinnvolle Empfehlungen für eine āyurvedische Therapie erfolgen. Wie im Āyurveda üblich beginnt man auch hier mit Empfehlungen zu Ernährung und allgemeiner Lebensführung. Hinzu kommt eine individuell geplante Arzneimitteltherapie und bei Bedarf auch Pañcakarma-Therapie.

Jihva-pariksa – Zungendiagnose als Teil eines praktischen ayurvedischen Diagnosekonzepts

Jahr: 2019

Die Zungendiagnose (Jihvā-parīkṣā) ist seit einigen Jahrhunderten ein Teil der āyurvedischen Diagnostik. Meist wird sie als ein Bestandteil der so genannten „Diagnose der acht Lokalisationen“ (aṣṭasthāna-parīkṣā) aufgezählt. Die diagnostische Beurteilung der Zunge erfolgt dabei im Rahmen der Systematik der āyurvedischen Wissenschaft. In diesem Rahmen hilft die gründliche Betrachtung der Zunge sowohl die Doṣa-Konstitution (Doṣa-Prakṛti), als auch eine eventuelle Imbalance (Vikṛti) zu diagnostizieren. Darüber hinaus liefert die Zungendiagnose wertvolle Hinweise auf den Zustand der Stoffwechselkraft (Agni) und einer eventuellen Belastung des Stoffwechsels (Āma-Belastung). Die Zungendiagnose ist zudem recht einfach durchzuführen und für Patienten nur wenig beeinträchtigend. Das praktische Vorgehen bei der Zungendiagnose, wie auch die Beurteilung typischer Befunde werden in diesem Referat vorgestellt. In einem kurzen Ausblick wird die Zungendiagnose dann in den Gesamtkomplex der āyurvedischen Diagnostik eingeordnet.

Summary:
The “diagnosis of the tongue” (Jihvā-parīkṣā) has for several centuries been part of āyurvedic diagnostics. It is mostly enumerated as one criterion of the so-called “diagnosis of eight localisations” (aṣṭasthāna-parīkṣā). The diagnostic evaluation of the tongue takes, of course, place within the framework of the āyurvedic system. A thorough examination of the tongue in this context helps to diagnose the constitution (Doṣa-prakṛti) as well as a potential imbalance (Vikṛti). In addition, the diagnosis of the tongue supplies information on metabolic strength (Agni) and possible accumulation of undigested metabolites (Āma). Moreover, the tongue-diagnosis is easy to perform and hardly incommoding for the patient. The practical procedure of tongue-diagnosis and typical features will be discussed in this presentation; a short perspective shall place tongue-diagnosis in the larger context of āyurvedic diagnostics.

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